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Der rechte Arm ist waagrecht gehalten, die Bewegungen sind ruckartig - von links nach rechts, von rechts nach links. Kurze, schnelle Bewegungen. Man nannte ihn die Zahnfee. Bereits in jungen Jahren stellten Kims Eltern fest, dass er eine außerordentliche Beobachtungsgabe hatte. Als er noch in der Wiege lag folgten seine unermüdlichen Augen jede Bewegung der Menschen um ihn herum. Eines Tages, als sein Vater sich Abends seine Zähne putzte, stand der fünf jährige Kim hinter ihm. Über den Badezimmerspiegel beobachtete er jede kleinste Bewegung seines Vaters, das Kreisen seiner Hand, jedes kleinste Zucken seiner Wangen. Als er fertig war, beugte er sich über das Waschbecken und spülte sich den Mund aus. Er zuckte er zusammen als er sich umdrehte und seinen Sohn im Flur stehen sah. “Kim, du hast mich aber erschrocken! was machst du denn im Dunkeln?”, doch Kim starrte ihn nur mit offenen Augen an. In der selben Nacht, als seine Mutter ihn zu Bett brachte und ihm einen dicken Kuss auf die Stirn gab, starb sie an den Folgen von 32 Messerstichen.